Glossar Gestaltung

Gestaltung ist ein komplexes Thema. Ich schreibe hier nach und nach was mir dazu einfällt auf. Wenn ich einen genügend großen Haufen Fachbegriffe beieinander habe, baue ich mir nach dieser Anleitung ein vernünftiges Glossar.

Formkontrast

Zum Beispiel: Eine kurze, dünne, gezackte Linie steht im Gegensatz zu einem großen, runden Kreis. Wie kann ich den Kontrast auf die Spitze treiben? Viele kurze, dünne, gezackte Linien. Ich habe noch einen „Mengenkontrast“ dazugenommen.

Farbkontrast

Interessant ist beim Gestalten mit Farben, wenn mehrere Kontraste sich überlagern. Ein große, sehr helle rechteckige Fläche entsättigten Grüns kombiniert mit vielen kleinen leuchtend magenta-roten Punkten. Wiese mit Mohnblumen. Oder Warm/Kalt ein Sternenhimmel.

Ordnungssysteme

Ordnung ist er-kenn-bar. Es geht darum, wie Elemente auf einer Fläche angeordnet sind. Wie zu-fällig hingestreut: Streuung. Gleichabständig angeordnete Elemente sind im Raster: Punktraster, Linienraster, horizontal, diagonal. Freier geformt sind Netze, oder zum Beispiel aus Grundformen komponierte Strukturen.

Symmetrie

Symmetrie, die Spiegelung an einer Achse oder an einem Punkt, gibt dem zentralen Element in der Mitte Bedeutung und Wirkmacht. So ist zum Beispiel die Inneneinrichtung klassizistischer Kirchen symmetrisch angeordnet, oder das Layout von Urkunden. Welche Absicht steckt dahinter? Zufällig entstandene Symmetrien irritieren.

Schutzraum

Wenn auf einer Fläche punktuell, linear oder areal etwas Besonderes angeordnet wurde, so braucht das Besondere einen bestimmten Abstand zum Allgemeinen. Zum Beispiel das Unternehmenslogo auf einer Website. Oder ein schön gesetztes Zitat. Oder eine Überschrift. Dieser Abstand heisst Schutz- oder Weißraum. Seine Größe wird meist im „Styleguide“ festgelegt. Gibt es keinen solchen, bestimmen wir die Größe des Schutzraumes selbst. Nicht zu klein, damit das Wichtige auch zur Geltung kommen kann. Nicht zu groß, damit unsere Fläche nicht leer und langweilig ausschaut.

Hierarchien oder Gliederungen

Wichtiges soll zuerst ins Auge fallen, Ergänzendes sich unterordnen. Aus diesem Gestaltungsprinzip erwächst Spannung.
Manchmal passen Hierarchien nicht, zum Beispiel für Bildergalerien, wo viele gleichartige Elemente aufgereiht, aufgelistet oder im Raster präsentiert werden. Gleichrangiges soll auch gleich gestaltet werden. Die Wirkung ist Ruhe und Ordnung.

Kanten oder Bünde

Absatz- oder Fließtext ist meist links-bündig oder rechts-bündig ausgerichtet (oder beides: im Block). Das schafft Ordnung und verbessert die Lesbarkeit des Inhalts. Untergeordnete Gliederungselemente orientieren sich manchmal eingerückten Kanten, zum Beispiel Listenpunkte oder Aufzählungspunkte.

Kästen oder Blöcke

Gestalte ich leuchtende Rechtecke als „Color Blocking“ oder lineare Rahmen wie „Trauerränder“? Infoboxen ziehen in der Regel die Auf-merk-samkeit auf sich, besonders wenn sie in einem auffälligen Kontrast gestaltet sind. Manchmal stapeln sich die Kästen auch zu einem Turm.

Reihung und Rhythmus

Elemente auf einer Fläche können wie Töne in einem Raum variieren: in Größe, Farbton, Lage, Form, Helligkeit, Struktur, Textur… wenn sie miteinander harmonieren, wie Trommelschläge nach komplexen Rhythmen klingen, kommt Schwung, Tanz und Freude auf. Reihung gibt den Takt an. Off-Beat. Aus der Kombination verschiedener Rhythmen entsteht eine inspirierende Gestalt.

Wiederholung und Selbstähnlichkeit

Rhythmische Wiederholung von Formen und Farben auf einer Fläche schafft beim Betrachten ein Gefühl des „Wiedererkennens“ und damit Sicherheit, eine Art „Heimatgefühl“: Ähnliches wirkt vertraut. Die Natur zeigt in jedem Augenblick Wiederholung, Selbstähnlichkeiten, Variationen. Alleinstehendes, Seltenes wirkt Besonders, aber auch fremd. Kombinatorische Systeme sind Wiederholungen mit Variationen. Buchstaben!

Gesetze der Gestaltwahrnehmung

/Figur-Grund-Beziehung / Prägnanz  /  Geschlossenheit  /  Gute Fortsetzung  / Einfache Muster  / Gemeinsames Schicksal  / Nähe  / Ähnlichkeit  /

Archetypen

Pfeil, Spirale, Ring, Schale, Bogen, parallele Linien, liegendes oder stehendes Dreieck, Quadrat, Rechteck, Stern, Kreuz/Windrose, Punktfelder … das sind Formen aus archaischer Zeit, die in allen Menschen global ähnliche Assoziationen hervorrufen. Vielleicht gibt es noch viel mehr, wenig erforschte solcher Zeichen: ringförmig angeordnete Strahlen, Mandala, drei-Frauen-in-der-Barke, Sichelmond, drei Kugeln übereinander, Knoten, aus einer Quelle entspringende Impulse, Wellenlinien, Mäanderband, Zick-Zack-Linien …. der Übergang zu Ornamenten und Symbolen oder auch Icons ist fließend.

Schrift

In der westeuropäischen und amerikanischen Kultur sind lateinische Schriftzeichen und arabische Zahlenzeichen etabliert. Ausgehend von der römischen antiken Versalschrift haben sich unzählige Stile entwickelt. Die wichtigsten sind Renaissance-, Barock- und klassizistische Antiquaschriften, serifenlose Groteskschriften, serifenbetonte Schriften, Monospace-Schriften, Handschriften und Schreibschriften. Auf dieser Basis entstehen tägich neue moderne Schriften, die von bedeutenden Typografinnen und Typografen entwickelt wurden und werden. In Bezug auf ihre Wirkung unterscheidet man gerne in „statische“, „dynamische“, „dekorative“ oder „sachliche“ Schriftanmutung. Oft werden verschiedene Schriftarten kombiniert. Damit sie zusammenpassen, sollten sie genügend ähnliche Eigenschaften aufweise (wie Proportion, Schnitt, Charakter), sich aber auch in einigen wesentlichen Punkten unterscheiden (Größe, Serifen, Schnitt …) Eine gute Möglichkeit, Schriften zu kombinieren ist die Wahl einer Schriftfamilie. Am besten vergleicht man verschiedene Kombinationen und wählt die am besten passende begründet aus.